Jesaja
Das Lied vom unfruchtbaren Weinberg
Wohlan, ich will meinem lieben Freunde singen,
ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg.
Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer
fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und
pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin
und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben
brächte; aber er brachte schlechte.
Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und
ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg!
Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich
nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben
gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?
Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem
Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass
er verwüstet werde, und seine Mauer soll eingerissen
werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen
lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern
Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten,
dass sie nicht darauf regnen.
Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus
Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der
sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war
Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über
Schlechtigkeit.
Weherufe über die Sünden
der Großen
Weh denen, die ein Haus zum andern bringen
und einen Acker an den andern rücken, bis kein Raum
mehr da ist und sie allein das Land besitzen! Es ist in meinen
Ohren das Wort des HERRN Zebaoth: Fürwahr, die vielen
Häuser sollen veröden und die großen und
feinen leer stehen. Denn zehn Morgen Weinberg sollen nur
einen Eimer geben und zehn Scheffel Saat nur einen Scheffel.
Weh denen, die des Morgens früh auf sind,
dem Saufen nachzugehen, und sitzen bis in die Nacht, dass
sie der Wein erhitzt, und haben Harfen, Zithern, Pauken,
Pfeifen und Wein in ihrem Wohlleben, aber sehen nicht auf
das Werk des HERRN und schauen nicht auf das Tun seiner Hände!
Darum wird mein Volk weggeführt werden unversehens,
und seine Vornehmen müssen Hunger leiden und die lärmende
Menge Durst. Daher hat das Totenreich den Schlund weit aufgesperrt
und den Rachen aufgetan ohne Maß, dass hinunterfährt,
was da prangt und lärmt, alle Übermütigen
und Fröhlichen. So wird gebeugt der Mensch und gedemütigt
der Mann, und die Augen der Hoffärtigen werden erniedrigt,
aber der HERR Zebaoth wird hoch sein im Gericht und Gott,
der Heilige, sich heilig erweisen in Gerechtigkeit. Da werden
dann Lämmer weiden wie auf ihrer Trift und Ziegen sich
nähren in den Trümmerstätten der Hinweggerafften.
Weh denen, die das Unrecht herbeiziehen mit
Stricken der Lüge und die Sünde mit Wagenseilen
und sprechen: Er lasse eilends und bald kommen sein Werk,
dass wir's sehen; es nahe und treffe ein der Ratschluss des
Heiligen Israels, dass wir ihn kennen lernen!
Weh denen, die Böses gut und Gutes böse
nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis
machen, die aus sauer süß und aus süß sauer
machen!
Weh denen, die weise sind in ihren eigenen
Augen und halten sich selbst für klug!
Weh denen, die Helden sind, Wein zu saufen,
und wackere Männer, Rauschtrank zu mischen, die den
Schuldigen gerecht sprechen für Geschenke und das Recht
nehmen denen, die im Recht sind!
Darum, wie des Feuers Flamme Stroh verzehrt
und Stoppeln vergehen in der Flamme, so wird ihre Wurzel
verfaulen und ihre Blüte auffliegen wie Staub. Denn
sie verachten die Weisung des HERRN Zebaoth und lästern
die Rede des Heiligen Israels.
Gott ruft die Feinde ins Land zum Endgericht
Darum ist der Zorn des HERRN entbrannt über
sein Volk, und er reckt seine Hand wider sie und schlägt
sie, dass die Berge beben und ihre Leichen sind wie Kehricht
auf den Gassen. Und bei all dem lässt sein Zorn nicht
ab, sondern seine Hand ist noch ausgereckt.
Er wird ein Feldzeichen aufrichten
für das Volk in der Ferne und pfeift es herbei vom
Ende der Erde. Und siehe, eilends und schnell
kommen sie daher. Keiner unter ihnen ist müde oder
schwach, keiner schlummert noch schläft; keinem geht
der Gürtel auf von seinen Hüften, und keinem
zerreißt ein Schuhriemen. Ihre Pfeile sind scharf
und alle ihre Bogen gespannt; die Hufe ihrer Rosse sind
hart wie Kieselsteine, und ihre Wagenräder sind wie
ein Sturmwind. Ihr Brüllen ist wie das der Löwen,
und sie brüllen wie junge Löwen. Sie werden daherbrausen
und den Raub packen und davontragen, dass niemand retten
kann. Und es wird über ihnen brausen zu der Zeit wie
das Brausen des Meeres. Wenn man dann das Land ansehen
wird, siehe, so ist's finster vor Angst, und das Licht
scheint nicht mehr über ihnen.
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